Florian und ich waren zwei Tage in der Nähe von Wellington wandern. Es gibt im näheren Umfeld vom Wellington mehrere Naturschutzgebiete die echt verlassen erscheinen. So hat man in nur einer Stunde fahrt „echte“ Wildnis - dachten wir.
Dass sie so echt ist, damit haben wir nicht gerechnet. Aber ich will nicht vorgreifen. Wir hatten geplant, von Featherston nach Upper Hutt zu wandern. Dafür waren zweieinhalb Tage eingeplant.
Leider setzte nur zwei Stunden, nachdem wir losgegangen waren, Regen ein, und der ohnehin schon nicht gerade „moderate“ Weg verwandelte sich in eine immer größer werdene Pfütze, auf der wir fast nur noch rutschten. Der Weg bestand schnell nur noch aus Schlamm und Wurzeln. Beim Überqueren eines Creaks ist Florian dann auch noch reingefallen.
So haben wir zur ersten Hütte anstatt der geplanten drei Stunden fünf gebraucht.
Damit war aber das Weitermarschieren zur nächsten Hütte gestorben. Also sind wir erstmal in der ersten Hütte geblieben und hatten just, als der Regen gerade ein apokalyptisches Niveau erreicht hatte, ausgerechnet, dass wir es in den verbleibenden anderthalb Tagen nicht bis zu unserem Ziel schaffen würden. Dazu kam noch die Info, dass auf unserem Weg eine Brücke weggespült worden war.
Zum Glück haben wir haben in der Hütte zwei andere Typen getroffen, die uns anboten, mit ihnen zu ihrem Ausgangspunkt zu gehen, sie würden uns dann mit dem Auto zum Bahnhof fahren. Aber das Auto war in weiter Ferne. Auf dem Weg mussten wir erst einen Creak überqueren und der war nun, da es ja den ganzen Tag geregnet hatte, etwas angeschwollen. 
Um genau zu sein: was vorher knöcheltief war, ging uns nun bis zur Hüfte und hatte deutlich an Geschwindigkeit gewonnen. Erst hörte es auf zu regnen. Zwei Stunden später sank langsam auch der Wasserpegel. Erst jetzt machte sich einer der anderen Jungs auf den Weg durch den Strom, ein Seil um die Hüfte gewickelt. Und er hat es auf die andere Seite geschafft! Wir haben dann ein Seil zwischen zwei Bäume gespannt, die Rucksäcke aufgesetzt und uns am Seil entlang durch die Fluten gehangelt. Abgesehen davon, dass mir bei der langen Warterei extrem kalt war, war’s doch ganz witzig.
Jetzt war der Weg zum Parkplatz frei. Am Abend kamen wir warm und halbwegs trocken mit dem Zug in Wellington an.


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